Stadt Weiden

Verschollen im hohen Norden

Mit seiner 3000-Kilometer-Radtour ans Nordkap hat es Extremsportler und Paralympics-Medaillen-Gewinner Wolfgang Stöckl bis in überregionale Medien geschafft. Um die Rückreise war es bisher ruhig - dabei war die fast noch turbulenter.

(wüw) Von der 15-Tage-Tour ans Nordkap ist Wolfgang Stöckl nichts geblieben - nur die Erinnerung. Am 22. Juli hat der Rothenstädter sein Gepäck im norwegischen Tromsö zur Rückreise aufgegeben - und nie wieder gesehen. Neben hochwertiger Sportkleidung fehlen Nordkap-Rad und Spezial-Prothese des Sportlers, der bei einem Unfall als Kind den linke Arm verloren hat.

22 Rechnungen habe er für die Dokumentation des Verlusts zusammengesucht. Der Gesamtschaden belaufe sich auf 15 370 Euro. Allein das Ghost-Fahrrad macht 3000 Euro aus. "Dazu habe ich mindestens 2000 Euro zusätzlich in Komponenten investiert", rechnet Stöckl vor. Am schwersten wiege die Prothese, ein Prototyp, der für die besonderen Anforderungen auf dem Rad gefertigt wurde. Kostenpunkt: über 8000 Euro.

Stöckl hat die vergangenen Monate viel geschrieben und telefoniert. "Am 31. Juli ist das Paket in Oslo angekommen und hätte weiter nach Stockholm gehen sollen", sagt der inzwischen 52-Jährige. Dort kam es nie an. Auffällig sei, dass bei der letzten Registrierung von einer geteilten Lieferung die Rede war - obwohl Stöckl alles in einem Fahrrad-Karton verpackt hat. "Vielleicht ist der Karton beschädigt worden, so dass die Taschen herausgefallen sind." Stöckl kann nur spekulieren. Den Vorschlag erneut anzureisen und suchen zu helfen, habe das Postunternehmen abgelehnt. "Man hat mir gesagt, dass mehrfach alles abgesucht wurde."

Die Postfirma rechnet wohl nicht mehr mit der Sendung, jedenfalls hat sie schon die Entschädigung überwiesen: 313 Euro. "Das wird nach Paketgewicht berechnet." Eine Wertversicherung hatte Stöckl nicht. "Da war ich blauäugig." Das sagt er unaufgeregt. "Es geht nur um Geld." Viel höher wiegt für ihn das Glück während der Radtour, bei der er immer bestes Wetter hatte und ohne Zwischenfälle sein Ziel erreicht hat. "Ich hätte verunglücken können", sagt Stöckl über die Tour, die ihn alleine durch teils menschenleeres Gebiet führte. Außerdem lassen ihn seine Partner nicht hängen. "Das Rad gehört Ghost, die Firma ist mir beim Preis sehr entgegenkommen", sagt Stöckl. Auch die Prothese hat ihm der Hersteller inzwischen nachgebaut.

Und anders als die Versandfirma hat Stöckl die verschollenen Sachen nicht aufgegeben: "Ich denke positiv und bin zuversichtlich, dass alles auftaucht." Er glaube, seine Sachen liegen in irgendeiner Ecke des Lagers. "Nur gefunden müssen sie noch werden", sagt er. "Bisher habe ich gesagt, dass die Lieferung als Weihnachtspaket ankommt." Auch wenn das nicht geklappt hat, anders als das Gepäck - den Optimismus hat Wolfgang Stöckl nicht verloren.