"Ich will nicht wegschauen"

Armbinde, Ausweis, Funkgerät und CS-Gas, sollten sie sich wirklich einmal selbst verteidigen müssen: Mehr haben die Ehrenamtlichen der Sicherheitswacht nicht auf ihren Streifen dabei. Trotzdem leisten sie damit eine Menge für die Gesellschaft - und dürfen sich dafür jetzt auch ein wenig selbst feiern.

Mit ihren neonfarbenen Armbinden gehören die Ehrenamtlichen der Sicherheitswacht seit 20 Jahren zum Straßenbild Weidens. Einer von ihnen ist Dirk Walther. Der 65-Jährige ist von Beginn an dabei. Bild: Hartl

Eigentlich ist es ein bisschen undankbar: Was die Sicherheitswacht bewirkt, lässt sich schlecht fassen. Schließlich ist ihr Ziel ja gerade, dass nichts passiert auf den Straßen. Prävention eben. Sie soll das subjektive Sicherheitsgefühl erhöhen, Präsenz zeigen, die Augen aufhalten. Die Ehrenamtlichen leisten damit keinen Ersatz für Polizeiarbeit, aber werden von den Polizisten für ihre Hilfe dennoch hoch geschätzt - und das seit 20 Jahren.

So lange existiert die Wacht in Weiden. Als Dankeschön gibt es eine Einladung zum Neujahrskonzert des Polizeiorchesters nach München samt Empfang mit Vertretern der Staatsregierung. Ein Dankeschön hören die Ehrenamtlichen aber auch des Öfteren auf der Straße, wie Dirk Walther berichtet. Er ist - neben vier weiteren Männern und einer Frau - seit Beginn an dabei. Insgesamt sind sie zu siebt, derzeit sucht die Polizeiinspektion weitere ehrenamtliche Helfer (Hintergrund ).

Herr Walther, warum sollte jemand ehrenamtlich Zeit für die Sicherheitswacht opfern?

Dirk Walther: So viel ist das gar nicht. Ich gehe im Schnitt vielleicht fünf, sechs Mal im Monat, jeweils für drei Stunden.

Das erklärt aber noch nicht, warum Sie's machen.

Walther: Mich hat es schon immer gestört, dass Bürger wegschauen, wenn sich andere daneben benehmen. Ich hab's ja selber erlebt, wie jemand Blumenkästen umgeworfen oder gegen Lampen im Park geschlagen hat. Da hab ich dann auch immer überlegt: Sag ich was, sag ich nichts? Und dann habe ich damals von der geplanten Sicherheitswacht in der Zeitung gelesen. Und ich habe mir gedacht: Vielleicht verändert das ja etwas.

Und, tut es das?

Walther: Ich habe schon das Gefühl das ich unterstützend für Ordnung sorge. Vor allem: Das ist ja Allgemeingut, das da oft zerstört wird, das zahlen dann immer alle. Und da ist es schon gut, wenn man beiträgt, dass solche Fälle weniger werden.

Kann ein Einschreiten da nicht auch mal brenzlig werden?

Walther: Sicher könnte es das. Aber in 20 Jahren hatte ich - und ich glaube die anderen auch - nicht ein Mal Angst. Man wird ja auch in der Ausbildung so geschult, dass es eben nicht brenzlig wird. Man weiß da schon, was zu tun ist.

Trotzdem werden die Reaktionen der Leute nicht immer positiv auf Sie sein.

Walther: In den ersten Jahren gab es ein paar Kids, die einen blöd angeredet haben. Aber da sind wir drüber. So was gibt es seit Langem eigentlich nicht mehr. Grundsätzlich ist die Sicherheitswache akzeptiert in der Bevölkerung, vor allem von den älteren Leuten. Die freuen sich oft, wenn sie uns sehen. Ich glaube, die Menschen sagen: Seit ihr da seid, ist's in Weiden sicherer.

Was hat sich in all den Jahren bei Ihrer Arbeit geändert?

Walther: Vor allem die Jüngeren lassen sich nicht mehr so leicht was sagen. Früher hat das noch öfter mal gefruchtet, heute sind die Reaktionen oft aggressiver. Aber es ist nichts Dramatisches dabei. Und was es heute auf jeden Fall auch stark gibt, ist eine Wegschaumentalität. Die wenigsten tun was, wenn etwas passiert. Genau dagegen sind wir geschult worden. Und wir wissen auch, wo die Schwerpunkte sind.

Wo denn?

Walther: Wo viele Menschen sind. In der Altstadt, bei Veranstaltungen rund um die Mehrzweckhalle, Thermenwelt oder Reger-Halle. Da sind wir dann auch. Und deswegen beginnt unsere Schicht auch immer bei der Dienststelle der Polizei. Da kriegen wir dann Infos über die aktuelle Lage. Über solche Veranstaltungen zum Beispiel. Oder darüber, ob gerade jemand ein Rad gestohlen hat - worauf wir dann besonders achten.

Was sind denn die Fälle, die Ihnen in all den Jahren besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Walther: Das war so viel ... Wir haben mal einen Betrunkenen im Parkhaus am ZOB überredet, nicht mit seinem Auto davonzufahren. Ein anderer Betrunkener hat mal extrem laut in der Max-Reger-Straße gegrölt. Als wir ihn angesprochen haben, hat er ganz laut "Hilfe! Hilfe!" geschrien - da sind dann ganz viele Leute gekommen und wollten ihm helfen. Im Grunde war das alles aber nicht so schlimm. Wobei, mir fällt noch ein: Wir haben auch schon öfter geholfen, dass vermisste Kindern zu ihren Eltern zurückkommen. Aber das war ja auch nicht gerade schlimm, sondern schön.